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Reisebericht 2001

3 Jahre HOPE FOR ALL

Ende 1997 besuchten meine Frau und ich erstmals Kambodscha. Wir trafen ein Land an, das nach 30 Jahren Krieg völlig heruntergekommen war und dessen Menschen nichts anderes wünschten als Frieden, um wieder menschenwürdig leben zu können.

Anfänglich wollten wir einem mittellosen Arzt beim Aufbau einer Praxis helfen. Inzwischen wurde mehr daraus. Spenden ermöglichten die Realisierung von zahlreichen weiteren Vorhaben, bei denen inzwischen 14 kambodschanische Mitarbeiter beschäftigt sind.

Schweinerei mit Zukunft

Beliebt ist unser "Piglet"- Programm. In den Landstrichen von Kambodscha stehen die meisten Gebäude auf Pfählen. Mit wenig Aufwand kann unter dem Haus ein Tiergehege eingerichtet werden. Wenn eine Familie über ein geeignetes Gehege verfügt, erhält sie von HOPE FOR ALL ein Ferkel geschenkt und einen Kredit bis 30 US-Dollars für Futter, denn die Speiseabfälle einer armen Familie reichen nicht aus, um ein Schwein zu füttern. Nach 8 Monaten kann das Tier für 120 USD verkauft, der Futterkredit zurückbezahlt und ein neues Ferkel erworben werden.

Schweinehaltung

Kriegsgewinnler und Hungerhaie

Im vergangenen Herbst haben verheerende Überschwemmungen einen grossen Teil von Kambodschas Ernte vernichtet. Lebensmittel wurden knapp und teurer. Gewissenlose Geschäftsleute kauften Reis auf und horteten dieses Grundnahrungsmittel, bis die Preise weiter gestiegen sind. Viele Menschen können kaum mehr Reis kaufen. HOPE FOR ALL verteilt pro Monat weiterhin etwa 2 Tonnen Reis an hungernde Familien.

Drei Jahre Frieden machen dreissig Jahre Krieg nicht ungeschehen

Seit gut drei Jahren herrscht in Kambodscha kein Krieg mehr. Der gewählte Ministerpräsident Hun Sen regiert das Land mit starker Hand. Prinz Ranariddh, sein ehemaliger Erzfeind, gibt sich friedlich und amtet als Vorsitzender des Parlaments. Von den Roten Khmer redet niemand mehr.

Die äusserlichen Spuren von dreissig Jahren Krieg lassen sich nicht so leicht beseitigen. Kambodscha liegt wirtschaftlich am Boden. Einige Kleiderfabriken, die von ausländischen Investoren gebaut worden sind, mussten ihren Betrieb wieder einstellen. Das Land leidet an miserablen Verkehrsverbindungen. Von der Kolonialzeit her verfügt Kambodscha über eine lange Eisenbahnstrecke, doch pro Tag findet nur ein einziger Zug den Weg über die sanierungsbedürftigen Geleise. Eine Autoreise von Phnom Penh zur 285 Kilometer entfernten zweitgrössten Stadt Battambang dauert 7-8 Stunden, sofern die "Nationalstrasse Nr. 5" nicht überschwemmt oder wegen einer kaputten Brücke blockiert ist. Sogar in der Hauptstadt Phnom Penh sind die meisten Strassen noch immer staubige und löcherige Sandpisten, die sich bei Regen in einen glitschigen Morast verwandeln.

Es fehlt an Mitteln, um die Infrastruktur des Landes aufzubauen. Woher soll die Regierung denn das Geld nehmen? In Kambodscha sind Steuern unbekannt. Die meisten Bewohner wären ohnehin zu arm, um Abgaben bezahlen zu können. Das Land ist auf Zolleinnahmen und Entwicklungshilfe angewiesen.

Düsenjäger und marodierende Soldaten

Bei der Landung auf dem Flughafen von Phnom Penh waren am Rande der Piste eine Reihe von Düsenjägern zu erkennen: die kambodschanische Luftwaffe. Wer sind überhaupt die Angreifer, gegen die sich dieses arme Land schützen muss? In Anbetracht der enormen Unterhaltskosten solcher Prestige-Objekte bleibt nur ein Kopfschütteln übrig.

Kambodscha hat Probleme mit seinem Militär. Nach dem Bürgerkrieg wurden die ehemals verfeindeten Armeen zusammengeführt. Jetzt hat das Land zu viele Soldaten. Ein Teil davon soll ausgemustert werden, doch was tun entlassene Soldaten, die nichts besitzen, nichts gelernt haben und keine Arbeit finden? Da ist der Weg in die Gewaltkriminalität nicht weit. Man möchte die arbeitslosen Krieger in der Landwirtschaft oder im Strassenbau beschäftigen, aber auch hier fehlt es an Mitteln.

Es traf wieder die Ärmsten

Vor einem Jahr wurde Kambodscha von schweren Überschwemmungen heimgesucht, und in diesem Sommer und Herbst hat sich die Katastrophe wiederholt. Nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen trat der Mekong über die Ufer. Ganze Landstriche wurden meterhoch unter Wasser gesetzt, und Hunderttausende mussten sich vor den Fluten flüchten. Inzwischen ist das Hochwasser am Sinken, doch wenn die Leute zurückkehren, finden sie ihre armseligen Hütten zerstört und die landwirtschaftlichen Kulturen vernichtet. Erneut werden harmlose Bauern von Landminen verstümmelt, die das Hochwasser in die Reisfelder geschwemmt hat. Einmal mehr fällt die Ernte in Kambodscha dürftig aus, und das ehemals bedeutende Reis-Exportland wird teuren Reis einführen müssen. HOPE FOR ALL verteilt jeden Monat mehr als zwei Tonnen Reis an hungernde Familien.

Die Einrichtungen von HOPE FOR ALL blieben von den Fluten verschont. Zwar stand der Zugangsweg zur Clinic knietief unter Wasser, doch dies tat dem Patientenzustrom keinen Abbruch. Es gab viele Durchfallkrankheiten zu behandeln, denn durch die Überschwemmung gelangte verseuchtes Wasser in die Brunnen, aus denen die Leute ihr Trinkwasser schöpfen.

Der Zufahrtsweg zur Clinic stand knietief unter Wasser
Der Zufahrtsweg zur Clinic stand knietief unter Wasser

Einbrüche und eine gestohlene Stromleitung

Nicht alle Kambodschaner sind mausarm. Einige Geschäftsleute und Politiker haben es auf krummen Wegen wie Korruption oder Spekulation zu grossem Wohlstand gebracht. Die Gegensätze zwischen arm und reich werden immer markanter. Dies weckt Neid, und im gleichen Masse steigt auch die Kriminalität. Eines Morgens war unser Kindergarten ohne Elektrizität. Diebe hatten zu nächtlicher Stunde etwa 200 Meter der Freileitung gestohlen, die das Gebäude mit Strom versorgt.

Obschon im Kindergarten keine wertvollen Dinge zu finden sind, wurde das Areal wiederholt von Einbrechern heimgesucht. Da half keine drei Meter hohe Mauer, die zusätzlich mit Stacheldraht abgesichert wurde, da halfen keine Wachhunde und da half nicht einmal der Umstand, dass der Verwalter mit seiner Familie im Haus wohnt. Es blieb nichts anderes übrig, als zwei Wachmänner einzustellen. Damit beschäftigt HOPE FOR ALL 16 kambodschanische Angestellte, die mit dem Verdienst für ihre Familien sorgen können.

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