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Reisebericht 2009

 In der HOPE FOR ALL Clinic herrscht wie immer viel Betrieb. Dank der Spende eines Rotary Club wurde ein vierter Zahnarztstuhl installiert und eine weitere Zuwendung hat den Erwerb eines schmalen Landstreifens entlang dem Clinic-Gelände ermöglicht. Dieser Kauf war notwendig, denn ohne Landreserve hätte der Betrieb nicht erweitert werden können.

Der neue Zahnarztstuhl
Der neue Zahnarztstuhl ist ständig in Betrieb

Das Land macht Fortschritte

Als wir Ende 1997 zum ersten Mal nach Kambodscha kamen, war das Land nach 30 Jahren Bürger-krieg buchstäblich ruiniert. Viele Leute hungerten und hatten kein Zuhause. Früher war Kambodscha berühmt für seinen ausgezeichneten Reis, den es in alle Welt exportierte, doch jetzt waren die Bewässerungsanlagen zerstört und das Land produzierte nicht einmal genügend Nahrungsmittel für den Eigenbedarf. Sogar in der Hauptstadt Phnom Penh war die Versorgung mit Trinkwasser mangelhaft und Stromausfälle gehörten zum Alltag. Überall lagfeiner rötlicher Sand, denn nur die wenigsten Strassen hatten einen geteerten Belag.

Ein Jahrzehnt später ist Phnom Penh kaum mehr wieder zu erkennen. Die Strassen sind asphaltiert und an allen Ecken wird gebaut. Eine koreanische Firma hat ein Hochhaus mit 40 Stockwerken erstellt und plant bereits einen zweiten Wolkenkratzer. Ein neues Einkaufszentrum hat riesige Dimensionen, doch Kundschaft zeigt sich dort bisher nur spärlich.

Die Bodenpreise sind in die Höhe geschnellt und manche Spekulanten haben sich dabei eine goldene Nase verdient. Sie zeigen ihren Reichtum und bauen mitten in Armenvierteln ihre Luxus-villen, die sie mit 3 Meter hohen Mauern vor neugierigen Blicken und Einbrechern schützen. Auf den Strassen verkehren mehr teure Offroader als in der Schweiz. Sogar Porsches und Ferraris werden importiert, doch der Spass an schnellen Autos wird durch Schlaglöcher und Ochsenkarren ziemlich getrübt. In der Hauptstadt herrscht tagsüber ein Verkehrschaos. Waren die Leute vor einem Jahrzehnt noch mit dem Velo unterwegs, verstopft und verpestet heute eine Flut von Kleinmotorrädern und vierrädrigen Vehikeln die Strassen und Kreuzungen.

In den Strassen von PHnom Penh
In den Strassen von Phnom Penh herrscht ein unglaublicher Verkehr

Die Armen bleiben arm

Im heutigen Kambodscha sind wohlhabende Leute eine verschwindend kleine Minderheit und der Mittelstand ist so gering, dass die Regierung bisher keine Steuern erhebt. Die Mehrheit der Kambod-schaner lebt unter dem Existenzminimum. In den Aussenbezirken von Phnom Penh gibt es ganze Quartiere mit improvisierten Behausungen aus Wellblech, Stroh und Karton. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Alte Menschen, die keine Unterstützung durch ihre Familie geniessen, sind oft schlecht ernährt und krank.

Die medizinische Versorgung ist besser geworden

Als wir vor 12 Jahren nach Kambodscha kamen, existierte nur in der Hauptstadt eine nennenswerte medizinische Versorgung. In ländlichen Provinzen fehlte es an Ärzten und die wenigen Spitäler waren kaum belegt, denn es gab weder brauchbare Einrichtungen noch Medikamente. Die HOPE FOR ALL Clinic leistete eine eigentliche Nothilfe und manche Patienten bekamen dort erstmals in ihrem Leben einen richtigen Arzt oder Zahnarzt zu Gesicht. In unserer Clinic wurde in den ersten Jahren viel improvisiert. Ihre Einrichtung bestand aus gebrauchten Apparaten und Instrumenten,die wir in der Schweiz zusammengebettelt und nach Kambodscha spediert hatten.

In der Zwischenzeit ist die medizinische Versorgung in Kambodscha besser geworden. Die Regierung und verschiedene Hilfswerke betreiben brauchbare ärztliche Polikliniken, doch auf zahnärztlichem Gebiet herrscht immer noch ein Notstand. Aus diesem Grund wurde in der HOPE FOR ALL Clinic vor allem die zahnärztliche Abteilung aufgerüstet. Das Haus verfügt über fliessendes Wasser und einen Stromanschluss. Seine Einrichtungen lassen sich mit europäischen Standards vergleichen.

Das team der HOP FOR ALL Clinic
Das Team der HOPE FOR ALL Clinic

Das Schulgeld-Programm geht weiter.

In Kambodscha ist der Schulbesuch obligatorisch und kostenlos, doch die Lehrer erwarten von ihren Schülern regelmässige „Trinkgelder“, um ihren ungenügenden Lohn aufzubessern. Wer kein Geld mitbringt, wird im Unterricht nicht berücksichtigt. Diesen Kindern verleidet bald einmal der Schulbetrieb.
Sie schwänzen den Unterricht und treiben sich auf der Strasse herum oder sie sitzen vor einem Fernseher, der den ganzen Tag nur Schnulzen und billige Karatefilme zeigt.

Unsere Angestellten treffen immer wieder auf Kinder, die nicht zur Schule gehen. Nicht selten sind es Waisenkinder, die bei einer betagten Grossmutter oder bei Nachbarn wohnen oder Sprösslinge aus bedürftigen Familien, die sich kein Geld für die Lehrer leisten können. In solchen Fällen übernimmt HOPE FOR ALL die Kosten für Schule, Schulmaterial und die Schuluniform. Diese Unterstützungsgelder müssen monatlich abgeholt werden. Anhand von Zeugnissen und bei Hausbesuchen wird genau kontrolliert, ob das Kind tatsächlich zur Schule geht. Ist dies nicht der Fall, werden die Zahlungen sofort eingestellt.

Wir haben vor drei Jahren mit diesem Schulgeld-Programm begonnen und damit gute Erfahrungen gemacht. Das Projekt wird fortgesetzt und kann, abhängig von künftigen Spenden, weiter ausgebaut werden.

Schulzeugnis in Kambodscha
Schulzeugnis in Kambodscha. Es werden keine Noten
vergeben, sondern es wird innerhalb der Klasse eine
Rangliste erstellt. In diesem Fall belegt der Schüler
den 11. Rang unter 25 Klassenkameraden

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