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Reisebericht 2016

Gegen Ende des vergangenen Jahres waren meine Frau und ich in Kambodscha. Gerne möchten wir einige Eindrücke wiedergeben.

Schulgelder und Hilfe zum Berufseinstieg

Wir haben unseren Mitarbeiter Thavy auf einem seiner monatlichen Besuche an den Wohnstätten der 80 Kinder begleitet, die dank Unterstützung durch HOPE FOR ALL die Schule besuchen. Nur wenige dieser Kinder leben in einer intakten Familie. Oft sind es Waisen oder Halbwaisen, die bei Nachbarn oder bei einer Grossmutter wohnen, weil Elternteile an AIDS verstorben sind oder weil sich der Vater aus dem Staub gemacht hat. Viele Kinder sind unwillkommen und werden misshandelt.

Thavy bemüht sich, seinen Schützlingen auch später beim Eintritt in das Berufsleben zu helfen. Wir haben bereits über unsere drei Studenten berichtet, die Stipendien für ein Zahnarztstudium erhalten. Für weitere sechs begabte Jugendliche bezahlt HOPE FOR ALL die Schulgebühren an der renomierten „Don Bosco Technical School“.

Doch in Kambodscha mangelt es nicht nur an Akademikern und Technikern, sondern auch an ausgebildeten Handwerkern und kaufmännischen Berufsleuten. Leider kennt das Land keine geregelten Berufslehren und auch keine staatlichen Gewerbeschulen. Die Jugendlichen müssen einen Betrieb suchen, wo sie ihr Metier erlernen können. Die Dauer und der Inhalt der Ausbildung werden vom Betrieb bestimmt. Weil zudem ein happiges Lehrgeld verlangt wird, können mittellose Jugendliche kaum einen Beruf erlernen.

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Der Coiffeursalon von Bo Veth

Bo Veth ist der älteste von 4 Geschwistern aus einer Familie, die im „HIV-Dorf“ ausserhalb von Phnom Penh wohnt. Die arbeitslosen Eltern sind HIV-positiv. Bo konnte die Schule besuchen und möchte Coiffeur werden. Im letzten Sommer fand er ein Coiffeurgeschäft, wo er acht Monate lang das Haareschneiden erlernte. Wir haben das Lehrgeld von 120 US-Dollars übernommen und an Bo für seine Lebenskosten monatlich 30 Dollars bezahlt.

Nach Ende seiner Lehrzeit begann Bo die Haare der Dorfbewohner zu schneiden. Offenbar mit Erfolg, denn schon ein Vierteljahr später bat er um Hilfe für die Eröffnung eines eigenen Geschäftes. HOPE FOR ALL finanzierte mit 170 Dollars seine komplette Einrichtung. Inzwischen bedient Bo pro Tag 5-6 Kunden, Tendenz steigend. Ein Haarschnitt kostet knapp einen Dollar, Kinder bezahlen die Hälfte. Mit diesen Einkünften kann Bo jetzt seine Familie unterhalten.

Das Arbeitspensum unseres Mitarbeiters Thavy wird immer umfangreicher. Wir haben ihm einen Assistenten zur Seite gestellt. Das Salär für diese Teilzeitstelle wird von einem hiesigen Rotary Club übernommen.

Kritik ist lebensgefährlich

Am 10. Juli wurde der beliebte Radio- und Fernsehsprecher Kem Ley in Phnom Penh auf offener Strasse erschossen. Über eine Million Menschen gingen bei der Beerdigung auf die Strassen, um ihre Anteilnahme zu zeigen und zugleich gegen die Regierung zu protestieren, die mit dem Mord nichts zu tun haben will. Im Fokus von Kem Ley waren vor allem die grassierende Korruption und prominente Regierungsvertreter, die sich auf Kosten des Volkes schamlos bereichern.

Kambodscha belegt im internationalen Korruptionsindex die Position 156 von 175 Staaten. Beispielsweise ist Landraub an der Tagesordnung: Bauern werden ohne Kompensation vertrieben und Slums werden abgebrannt, um die Grundstücke an genehme Familien oder Investoren zu verschachern. Der neue Reichtum wird unverblümt zur Schau gestellt. Fortlaufend werden luxuriöse Villen gebaut. In den Strassen verkehren neben klapprigen Velos und stinkenden Mopeds immer mehr teure Offroader. Extravagant gestaltete Hochhäuser lassen einen Aufschwung des Landes vermuten, doch den einfachen Leuten geht es kaum besser.

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Auch auf diesem abgebrannten Slum-Areal werden bald Geschäftshäuser und Luxusvillen stehen

Als Patient in der HOPE FOR ALL Clinic

Die Clinic macht einen vorbildlichen Eindruck. Weil alle Patienten eine Zeitangabe für ihre Behandlung erhalten haben, herrscht in der schattigen Wartezone vor dem Haus kein Gedränge. Umso emsiger ist der Betrieb den Räumen des Gebäudes. Da werden Personalien aufgenommen und Medikamente abgegeben, hier werden Instrumente gereinigt und sterilisiert, da werden Patienten geröntgt und hier werden sie behandelt. Drei Zahnärzte (alle haben an der Universität von Phnom Penh studiert und doktoriert) und neun weitere Mitarbeiter kümmern sich jeden Tag um mindestens 40 Patienten.

Ich selber musste mich wegen eines Zahnproblems behandeln lassen und kann jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Clinic bezüglich Einrichtung, Sauberkeit und Kompetenz der Mitarbeiter jedem Vergleich mit einer schweizerischen Zahnarztpraxis standhält.

Dies wissen auch begüterte Kambodschaner, die immer zahlreicher die Clinic aufsuchen. Ihre Honorare tragen zur Deckung der Betriebskosten bei. Den grösseren Anteil übernimmt der Verein HOPE FOR ALL, denn arme Patienten werden kostenlos oder für ein symbolisch geringes Entgelt behandelt.

In eigener Sache

In den Jahren 2011 bis 2013 lagen unseren Berichten kein Einzahlungsschein bei, weil dank grösseren Zuwendungen genügend Mittel für unsere Projekte zur Verfügung standen. Inzwischen sind die Reserven geschwunden und wir sind dankbar für neue Spenden.

 

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